MUSEUM LUDWIG: James Rosenquist – Eintauchen ins Bild


MUSEUM LUDWIG
Ausstellung "James Rosenquist – Eintauchen ins Bild"

Von Sven Blatt



Dem MUSEUM LUDWIG ist mit dieser Ausstellung eine Kunstschau gelungen, die ihrem Titel mehr als gerecht wird, so sie dem Besucher tatsächlich ein fast körperlich erlebbares Eintauchen in die Kunst des im Jahre 1933 in Grand Forks, North Dakota, geborenen und im März dieses Jahres verstorbenen Popart-Künstlers James Rosenquist, auf einer sehr großzügig bemessenen Ausstellungsfläche ermöglicht.



James Rosenquist | Installationsansicht | Foto: Sven Blatt



Zur Präsentation der immensen, 76 Werke (inkl. der “Sources“ und “Studies“) umfassenden Ausstellung, von denen einzelne zum Bestand des MUSEUM LUDWIG gehören, die meisten aber internationale Leihgaben z. B. des New Yorker MoMa oder des Centre Georges Pompidou sind, wurden einzelne Ausstellungsräume maßstabsgetreu entsprechend der Originalausstellungsräume nachgebaut, wodurch diese Räume selbst zum Bestandteil einer Gesamtinstallation geworden sind.

Den größten Anteil daran, dass sich der Betrachter geradezu magisch in die - teilweise in ihrer Breite eine ganze Museumswand einnehmenden - Gemälde hineingesogen fühlt, hat natürlich der Künstler selbst: in viele seiner Gemälde hat Rosenquist mit seiner Maltechnik wie “Portale“ wirkende Verwirbelungen aus Farbe eingebaut, die eine Sogwirkung auf den Betrachter ausüben, ihn in die Werke hineinziehen und ihm so eine Eintrittspforte anbieten. Von Weitem wirkt sein Duktus plakativ, bei Betrachten aus der Nähe geht er ins Abstrakte, Verspielte, geradezu Malverliebte über.

James Rosenquists künstlerisches Schaffen hat seine Wurzeln in der Reklamemalerei. Dies kann der Besucher sowohl inhaltlich als auch malerisch in den ausgestellten Gemälden ganz unschwer “entziffern“. Besonders deutlich wird dies bei den Porträts von bereits zu ihren Lebzeiten zu Werbeikonen ihrer selbst stilisierten Persönlichkeiten, etwa eines John F. Kennedy oder einer Joan Crawford, die den Betrachter mit ihrem inszenierten Zahnpasta-Lächeln für sich oder ein Produkt gewinnen wollen. Folgerichtig wählte das MUSEUM LUDWIG dann auch JFK als Werbeträger für ihr Ausstellungsplakat aus.



Installationsansicht: James Rosenquist | "President Elect" | Foto: Sven Blatt



Auch viele der anderen Werke entstammen der Welt der Werbung, der Produktion und des Konsums, sie bleiben aber – zumindest vordergründig – neutral und ohne einen kritischen Fingerzeig. Der Betrachter muss da schon aktiv suchen und interpretieren, etwa bei der Titelgebung der Werke (z. B. "Swimmer in the Econo-mist" - etwa "Schwimmer im Wirtschafts-Nebel"). Eine Ausnahme lässt sich allerdings zweifellos aus der Ausstellung mitnehmen - die Gemäldeinstallation "F-111", die über alle vier Wände die 360 Grad eines



James Rosenquist | "F-111" (Ausschnitt aus der Rauminstallation) | Foto: Sven Blatt



kleineren Ausstellungsraumes (fast) abdecken. Darin thematisiert Rosenquist durch die Kombination der Darstellung des Kampfflugzeugs F-111 mit Ausschnitten des amerikanischen Alltagskonsums doch sehr deutlich die (welt-)politisch turbulenten Entwicklungen der 1960iger Jahre und deren Verwicklungen der USA darin. Aber auch da möchte er mit Kritik nicht so weit gehen, das menschliche Elend von Krieg aufzuzeigen, sondern belässt es bei der verstörenden Collagierung der Welt des Krieges und der Welt des Konsums.

Einzelne Werke haben auch einen direkten, persönlichen Bezug zum Künstler. Den persönlichsten Bezug nimmt dabei das Gemälde "Trough the Eye of the Needle to the Anvil" ein, mit dem Rosenquist das aus seiner Sicht unerfüllte Leben seiner Mutter thematisiert, die er selbst als ein Mensch mit künstlerischen Möglichkeiten gesehen hat, der diese Möglichkeiten aber nicht ausleben konnte.



James Rosenquist | "Trough the Eye of the Needle to the Anvil" | Foto: Sven Blatt



In späteren Werken werden sind seine Themen - geprägt von seinem Interesse am Weltraum - von "galaktischer" Natur, wie hier in "Starthief" und "The Stowaway Peers Out at the Speed of Light" dargestellt.



James Rosenquist | "Starthief I" (Ausschnitt) | Foto: Sven Blatt



Ausschnitt: James Rosenquist | "The Stowaway Peers Out at the Speed of Light" | 520,7 x 1402,1 cm | Foto: Sven Blatt



Im mittleren Teil der Ausstellung – didaktisch gut durchdacht in einem Durchgangsbereich zwischen den größeren Ausstellungsräumen untergebracht - können die Ausstellungsbesucher die Entwurfsphasen zu vielen der ausgestellten Arbeiten an Hand der mit jeweils “Source for …“ (Quelle) und “Study for …“ bezeichneten Exponate nachvollziehen. Zudem ermöglichen diese kollagenhaften Vorentwürfe eine gewisse Orientierung für die zum Teil aufgrund ihrer Ausmaße nur zu “erwandernden Plakatwände“ - ich denke dabei insbesondere an die beiden “Swimmer in the Econo-mist“. Die Sources und Studies ermöglichen ein größeres Abstandnehmen als es die Räumlichkeiten der Ausstellung zum Teil erlauben und unterstreichen den collagenhaften Grundcharakter des Œuvre von James Rosenquist.



Insgesamt ist dem MUSEUM LUDWIG mit “James Rosenquist – Eintauchen ins Bild“ eine sehr sehenswerte Ausstellung gelungen. Sie ist noch bis zum 4. März 2018 zu sehen.





Öffnungszeiten:
Di bis So und an Feiertagen: 10 - 18 Uhr
Je¬den er¬sten Do im Mo¬nat: 10 - 22 Uhr
Montags geschlossen

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
www.museum-ludwig.de




Teilen über

Share to Google Buzz
Share to Google Plus
Share to LiveJournal
Share to MyWorld
Share to Odnoklassniki
Dieser Beitrag wurde unter Ausstellungstermine|Tipps abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.