Bundeskunsthalle: JerusalemerGesprächeBonn „Middle East – Melting Pot

Vorankündigung der Diskussionsreihe

JerusalemerGesprächeBonn
„Middle East – Melting Pot of Humankind“

Sonntag, 15. Januar 2017, 19 Uhr, Forum der Bundeskunsthalle

mit David Grossman, Ágnes Heller, Dieter Vieweger u.a.

Eine neue Diskussionsreihe in der Bundeskunsthalle widmet sich dem Austausch zu aktuellen gesellschafts- und kulturpolitischen Themen weltweit. Gäste aus Europa, Deutschland und Israel kommen in Bonn zusammen, um mit der Moderatorin Judith Schulte-Loh zu diskutieren. Die zweite Diskussion steht unter dem Titel "Middle East – Melting Pot of Humankind".

Die Reihe hat ihr Pendant in den bereits seit 2014 in der Cinematheque in Jerusalem stattfindenden Jerusalem Talks. Nach Bonn übertragen, widmen sich die Gespräche Themen, die einen neuen Blick auf gesellschaftliche Phänomene und aktuelle politische Strömungen werfen.

Der Nahe Osten ist ein Schmelztiegel der Menschheit. Hier traf der Homo Sapiens, aus Ostafrika kommend, im heutigen Israel auf den Neandertaler. Kooperierten sie, oder bekämpften sie einander? Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass der Neandertaler von der Erde verschwand, während sich der Homo Sapiens unaufhaltsam weiterentwickelte. Und er schuf Großes: Er fand von Ur-Lauten zur Sprache, er entwickelte die Landwirtschaft, die die Menschen ernähren konnte, vermutlich erfanden die Sumerer in Mesopotamien die Schrift, und das jüdische Volk schuf aus religiöser Überlieferung die schriftliche Form seines Glaubens (Tora).

Aber schon immer verflochten sich im Nahen Osten auch jahrtausendealte politische Interessen, später führten mangelndes Verständnis zwischen Orient und Okzident, sowie unterschiedliche soziale und ökonomische Lebensgrundlagen zu Gewalt und Kriegen.

Dabei spielten und spielen vorgeschobene wie tatsächliche Interessen dreier Weltreligionen eine große Rolle. Jerusalem, die Heilige Stadt, eine Erinnerungslandschaft zweier Völker, wurde zum Inbegriff beider Nationalitäten, und ihre Ansprüche liegen seit dem 20. Jahrhundert in erbittertem Widerstreit.

Warum ist gerade der Nahe Osten ein „Melting Pot of Humankind“?

Die Teilnehmer:

Der Schriftsteller und Friedensaktivist David Grossman, 62, ist in Jerusalem geboren und gehört zu den bedeutendsten Vertretern der israelischen Gegenwartsliteratur. 2008 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis, 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels; bei der Laudatio lobte Joachim Gauck Grossman als "Symbol der Friedensbewegung".
In mehreren Büchern hat er sich kritisch zum Nahostkonflikt geäußert. Grossman gehört zu den Unterzeichnern der Genfer Friedensinitiative von 2003. Im August 2006 forderte er gemeinsam mit Abraham B. Jehoshua und Amos Oz von Israels Regierungschef Ehud Olmert ein sofortiges Ende der Kämpfe im Libanon. Wenige Tage später fiel sein zweiter Sohn Uri im Südlibanon, während Grossman an seinem Buch „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ schrieb.

Àgnes Heller zählt zu den wichtigsten Philosophinnen des 20. und 21. Jahrhunderts. Sie wurde 1929 in Budapest geboren und entkam während des Holocausts nur knapp einer Deportation. In den Jahren danach wurde sie als Mitglied der »Budapester Schule« um den neomarxistischen Philosophen Georg Lukács jahrzehntelang vom kommunistischen Regime unterdrückt, bevor sie 1977 nach Australien emigrierte. 1986 wurde Heller Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Heute lebt sie wieder in Budapest.

Der alttestamentliche Theologe und Biblische Archäologe Dieter Vieweger, 1958 in Karl-Marx-Stadt geboren, ist seit 2005 Direktor des Deutschen Evangelischen Institutes für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes in Jerusalem und Amman und lehrt zudem an den Universitäten in Wuppertal und Witten-Herdecke. Sein Buch „Streit um das Heilige Land“ macht die Vielschichtigkeit der historischen und gegenwärtigen Interessenlage in ihrer Komplexität nachvollziehbar und fassbar. In einem Interview konstatierte er: "Jerusalem ist eine große Erinnerungslandschaft."

www.bundeskunsthalle.de

August Macke Haus Bonn – Ausstellung „Das (verlorene) Paradies“


August Macke Haus Bonn 26.09.2014 – 25.01.2015

Das (verlorene) Paradies

Expressionistische Visionen zwischen Tradition und Moderne


Eröffnung der Ausstellung: Donnerstag, 25. September 2014 18.00 Uhr

Anlässlich des 100. Todestages von August Macke, der am 26. September 1914 im Alter von nur 27 Jahren an der Westfront bei Perthes-lès-Hurlus in der Champagne fiel, widmet das August Macke Haus dem Paradiesthema in der Kunst um den Ersten Weltkrieg eine umfassende Ausstellung.

Ausgangspunkt der Schau ist das im Oktober 1912 von August Macke und Franz Marc gemeinsam gemalte, fast 4 x 2 Meter messende Paradiesbild in Mackes Atelier im Dachgeschoss seines Wohnhauses in Bonn. Seit 1980 befindet es sich im Westfälischen Landesmuseum Münster, während man in dem seit 1991 öffentlich zugänglichen Atelier von August Macke mit einer 1:1-Reproduktion vorlieb nehmen muss.

Dieses Gemälde ist nicht nur Manifestation einer unvergleichlichen Künstlerfreundschaft, die in Bonn in Mackes Wohnhaus gelebt wurde. Dieses Bild ist zugleich auch von programmatischer Bedeutung für das Werk beider Künstler: Die Suche nach dem verlorenen Paradies, nach Harmonie und Einklang des Menschen mit seiner Umwelt, nach Rückkehr zum Ursprünglichen, zum Unverdorbenen und Reinen bestimmte das Werk beider, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Suchte Macke die künstlerische Rückeroberung paradiesischer Gefilde, zuweilen mit Orientalischem bzw. Exotischem verknüpft, fand Marc, ganz franziskanisch gesinnt, im Wesen der Tiere einen unverdorbenen Urzustand.

August Macke Schaufenster, 1913 Aquarellfarbe, Gouache auf Papier ahlers collection © Walter Mayer, München

August Macke
Schaufenster, 1913
Aquarellfarbe,
Gouache auf Papier
ahlers collection
© Walter Mayer, München

Und auch zahlreiche andere renommierte und weniger bekannte Künstler der jungen, im Aufbruch befindlichen Generation zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigte das Thema „Paradies“, wie unsere Ausstellung nun erstmals verdeutlicht. Denn wie kaum ein anderes bot dieses Sujet die Möglichkeit, Sehnsüchte, Visionen und Utopien von einer idealen Welt darzustellen.

Weit über die künstlerische Aneignung des Themas hinaus lässt sich in den vielfältigen Vorstellungen vom Paradies der Schlüssel zum Lebensgefühl der Moderne finden. Lebensreformerisch geprägt, zeugte das Thema vor dem Ersten Weltkrieg von der Erwartung an eine Welt, in der die entfremdenden Erfahrungen der abendländischen Zivilisation überwunden waren. Eine zukunftsfrohe Utopie, die sich mit der Hölle des Ersten Weltkrieges zu einer Sehnsuchts- und Heilslandschaft wandelte. Galten die ersten Ansätze noch der Konstatierung des Verlustes, so transportierte das „Paradies“ weiterhin als utopisches Denkbild die Hoffnungen des 20. Jahrhunderts.

Ernst Ludwig Kirchner Vier Badende Schilf werfend, 1910 Farbholzschnitt August Macke Haus Bonn,  Dauerleihgabe Sammlung Walter und Hedwig von Scheven © Foto Günter Weber

Ernst Ludwig Kirchner
Vier Badende Schilf werfend, 1910
Farbholzschnitt
August Macke Haus Bonn,
Dauerleihgabe Sammlung
Walter und Hedwig von Scheven
© Foto Günter Weber

Über 60 Werke, darunter von August Macke das Gemälde „Frau im Garten“, das seit 1912 nicht mehr öffentlich zu sehen war, sowie sein Linolschnitt „Badende Frauen“ von 1912, von dem nur ein Abzug bekannt ist, sowie Gemälde, Aquarelle, Linol- und Holzschnitte, Radierungen und Lithographien von Max Beckmann, Heinrich Campendonk, Lovis Corinth, Josef Eberz, Wenzel Hablik, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc, Ludwig Meidner, Carlo Mense, Wilhelm Morgner, Max Pechstein, Richard Seewald, Karl Schmidt-Rottluff u. a. werden gezeigt.

Leihgeber sind u. a. ahlers collection; Albert-Weisgerber-Stiftung, St. Ingbert; Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Nationalbibliothek Leipzig; Kunstmuseum Bonn; LETTER Stiftung, Köln; LVR-LandesMuseum Bonn; LWL-Museum für Kunst und Kultur. Westfälisches Landesmuseum, Münster; Kunsthalle Bremen – Kupferstichkabinett – Der Kunstverein in Bremen; Kunstsammlungen der Stadt Limburg; Lehmbruck Museum, Duisburg; Kunsthalle Emden – Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo sowie zahlreiche private Leihgeber.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, 144 Seiten, 28 x 24 cm Hardcover; 25 Euro an der Museumskasse.

Öffnungszeiten Di – Fr 14.30 – 18 Uhr; Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr
24./25. Dezember 2014 und 1. Januar 2015 geschlossen

Öffentliche Führung jeden So 11.30 Uhr



August Macke Haus
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn

T +49 (0)228 655531
F +49 (0)228 691550
buero[at]august-macke-haus[dot]de
www.august-macke-haus.de



Die Ausstellung ist Teil des LVR-Projektes
1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der erste Weltkrieg
Projektidee und Konfiguration: Milena Karabaic, LVR-Dezernentin für Kultur und Umwelt
Gesamtkonzeption und Projektleitung: Thomas Schleper
Wissenschaftliche Projektassistenz: Stephanie Buchholz

Schirmherrin des LVR-Projektes „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ ist Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen





Ab 13.7. Frauenmuseum Bonn – Ausstellung Annegret Soltau: „Einheit und Trennung – Familienbilder“


Frauenmuseum Bonn

Annegret Soltau: „Einheit und Trennung – Familienbilder“

Bonner Frauenmuseum eröffnet zweite Parallelausstellung zu SINGLE MOMS




Header


Annegret Soltau stellt seit mehr als vier Jahrzehnten mit größter Beharrlichkeit und Radikalität das Selbst des Menschen in den Fokus ihrer Arbeit. Wer ihre Biografie liest, erahnt den Kraftakt, mit dem sie gleichermaßen zerstörerisch, zusammenfügend, ihre intellektuell und emotional hochambitionierten Werke erschafft. Soltau, die als uneheliches Nachkriegskind unter widrigen Umständen aufwuchs, sich ihre künstlerische Laufbahn hart erarbeiten musste – sie ist Absolventin der HFBK Hamburg – gilt heute als international renommierte Künstlerin. Im Rahmen der Ausstellung „Single Moms“, in der das Leben von Alleinerziehenden in Geschichte, Kunst und Gegenwart thematisiert wird, zeigt das Frauenmuseum vom 13.07. – 07.09.2014 in einer Einzelausstellung die Arbeiten der Darmstädter Künstlerin.

Ihre Idee von Kunst und ihrer Wirkung ist eine Suche und gerade deshalb aktueller denn je. „Mein zentrales Anliegen ist, körperliche Prozesse in meine Arbeit mit einzubeziehen und mich selbst zum Modell zu nehmen, weil ich mit mir am weitesten gehen kann“, schreibt die Künstlerin über ihr eigenes Wirken. In ihren sinnlich greifbaren Fotoüber- und -vernähungen spinnt sie mit schonungslosen Nadelstichen Fäden über fotografische Porträts. Sie zerreißt Aktfotos, fügt sie neu zusammen, indem sie die so entstandenen Verletzungen wiederum mit Nadel und Faden zusammennäht. Ihre Themen sind ebenso archaisch wie frappierend aktuell: der nackte Körper, Gewalt, Schwangerschaft und Geburt, Generationenfolgen und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Dabei ist ein Oeuvre entstanden, das durch seine kontrastierenden Facetten, seine Drastik und zugleich Intimität besticht. Die Betrachter werden zu Zeugen einer schonungslos-analytischen Kunstäußerung zum Sein des Menschen. Nicht von ungefähr haben ihre Arbeiten in der Vergangenheit häufig zu Verboten und Skandalen geführt.

In Bonn zeigt Soltau in vier Räumen ihre großen Themen:

Im Mittelpunkt sind ihre Werke aus der Serie “ZeitErfahrung” zu sehen, eine chronologisch aufgebaute Serie von miniaturgroßen Fotoüber- und -vernähungen. In diesem, fortlaufend aktualisierten, vielteiligen Zyklus „näht“ sich Soltau gleichsam durch ihre eigene Biografie und ihre verschiedenen Schaffensphasen.

Im ersten Teil „selbst“ dekonstruiert Soltau die Vorstellung von einem „einzigen Selbst“.Sie „übernäht“ mit einem grauen Seidenfaden Selbstportraits und überzieht ihr Gesicht mit einer filigranen Verspannung aus Fäden. Die Rückseite zeigt die Arbeitsspur der Vorderseite als freie haptische Zeichnung, die nicht bewusst gestaltet ist. Hier sind frühe Werke wie z.B. ihr Triptychon „Körper-Eingriffe“ und „Ich bedrückt“ aus den Jahren von 1977/78 zu sehen.

Im 2. Raum „schwanger“ setzt sie sich mit ihren eigenen Schwangerschaften auseinander, als „Annäherung an ihren Körper“, die 1978 und 1980 zu ihrem zentralen Thema wurden. Im Prozess des Schwanger-Seins machte sie sich selbst zum Modell und thematisierte die Frage, wie Frauen Kreativität und Mutterschaft verbinden können. Getrieben von der Angst, die Rolle der Mutterschaft könne ihre Existenz als Künstlerin gefährden, wurde sie zu einer Fülle von Foto- und Videoarbeiten inspiriert. Zu sehen sind hier Werke aus den frühen 80er Jahren wie „Einheit und Trennung“ und die Video-Installation „schwanger“.

Der 3. Raum nimmt sich des Themas Geburt an. Wenn eine Frau sich darauf einlasse, schwanger zu werden und zu bleiben, dann sei sie ganz fest eingebunden in diesen Zeitlauf der neun Monate und könne nicht mehr aussteigen. Das sei das Zwingende und es ende immer mit der Geburt, so Soltau. Hier werden die Videoinstallation „gebären-Müssen“ und „Auf dem Gebärtisch“, beide Ende der 70er, gezeigt.

Spannend bleibt es auch im 4. Raum „generativ“. Hier steht das Verbindende, „Reparierende“ des Fadens im Fokus. Er bringt die Risse im Lebenslauf zusammen, kultiviert die Narben als Lebenspuren. Zu sehen sind hier Fotovernähungen ab 1994 wie „Selbst mit Tochter, Mutter und Großmutter“. In dieser Werkphase vereint Soltau vier Generationen der weiblichen Linie ihrer Familie: Das junge Mädchen trägt schon den alten Körper, die alte Frau noch den jungen Körper in sich. Beeindruckend und zur Entstehungszeit skandalumwittert die großformatige Arbeit „Pubertät – Tochter doppelt“ von 1994/99 sowie provokativ und irritierend die Gruppe „generativ und transgenerativ“ – Bilder, auf denen männliche und weibliche Körper und Gesichter „zusammengenäht“ sind.

Nahezu versöhnlich und intim werden die Besucher entlassen: „im Gleichgewicht“, eine Fotoarbeit, die Mutter und Kind eigenständig und doch wie in einem Kokon eng miteinander umwickelt zeigt, – Symbiose und Getrenntsein zugleich.

Die Ausstellung wurde durch eine Projektfinanzierung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ermöglicht und von Marianne Pitzen kuratiert.

Vernissage: 13.7.2014, 12 Uhr
Begrüßung Marianne Pitzen, Einführung Dr. Heidrun Wirth (Kulturjournalistin, Bonn)

15 Uhr: Lesung aus der Biografie „Annegret Soltau: Ich war total suchend“ des Bildhauers Baldur Greiner, Autor und Lebenspartner der Künstlerin

Finissage: 07.09.2014, 15 Uhr
Kunst im Gespräch: Annegret Soltau und Dr. Gabriele Uelsberg (Direktorin, LVR-LandesMuseum Bonn)

Führungen: jeden Sonntag um 13 Uhr und auf Anfrage

Weitere Parallelausstellungen:

21.09. – 09.11.2014 Portraits Überlebender von Anfal und die von Frauen initiierte Gedenkstätte

Bildnachweise:

Annegret Soltau. Mutter Vater Tochter Sohn, Serie: transgenerativ 2005, Fotovernähungen, Collage, Fotos, Faden, 66x91cm.
Annegret Soltau. Pubertät – Tochter doppelt, Serie: generativ 1994-2005, Fotovernähungen, Collage, Fotos, Faden. 170x200cm.
Annegret Soltau. im Gleichgewicht, Serie: Schwanger 1977-1982, Fotoarbeit (Detail). 127x112cm.

Frauenmuseum
Im Krausfeld 10
53111 Bonn

Tel: 0228 92894527
Fax: 0228 696164
Mobil: 0173 630 3608
www.frauenmuseum.de



Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder enthüllt Tony Cragg*s Kunstwerk für Bonn


Kunst im öffentlichen Raum

Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder enthüllt neues Kunstwerk für Bonn:

„Mean Average“ von Anthony Cragg



ENTHÜLLUNG

Freitag, 20. Juni 2014 / 12 Uhr / Remigiusplatz Bonn

Der Künstler ist anwesend





Cragg_Bonn



Der international renommierte englische Bildhauer Anthony Cragg hat eigens für Bonn eine Skulptur geschaffen. „Mean Average“, so der Titel des 6 m hohen Kunstwerkes, wird am Freitag, dem 20. Juni 2014 um 12 Uhr von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder zusammen mit Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und dem Vorsitzenden der Stiftung für Kunst und Kultur, Walter Smerling, auf dem Bonner Remigiusplatz enthüllt.

Für Gerhard Schröder sind die Skulpturen von Cragg von besonderer Bedeutung. Egal wo er sie bisher erlebt hat, ob in Hannover oder Berlin, für ihn gilt: „Das Hervorstechendste ist für mich, dass die Skulpturen keine Hauptansichtsseite haben. Alle Blickrichtungen sind gleichwertig.“

Kunstprojekt Bonn

Mit dem „Kunstprojekt Bonn“ will die Stiftung für Kunst und Kultur die qualitätsvolle Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum weiterentwickeln. "Kunst im öffentlichen Raum ist uns ein besonderes Anliegen, denn es verlangt bewusste Wahrnehmung und Selbstreflexion des Publikums.“, erläutert Vorstandsmitglied Werner Müller und führt mit den Worten von Erzherzog Rudolph weiter aus: „Zweck der Kunstwelt wie der ganzen Schöpfung ist die Freiheit und das Weitergehen“. Dass die öffentliche Inszenierung von Kunst mit hochkarätigen Künstlern sozusagen nicht ohne Reibungs-verluste ablaufen kann, versteht sich dabei von selbst.

Die Stiftung für Kunst und Kultur setzt mit dieser Enthüllung das „Kunstprojekt Bonn“ als private Initiative zur Kunst im öffentlichen Raum der Stadt fort. Nach der viel diskutierten Aufstellung von Markus Lüpertz‘ „Beethoven“ im Stadtgarten handelt es sich um die zweite Skulptur für die Stadt Bonn, ihre Bürger und Besucher. Ohne das Privatengagement von Jörg Blömer, Bonner Bürger, Unternehmer und langjähriges Stiftungsmitglied, wäre dieses Projekt nicht möglich geworden, denn er hat nicht nur die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen, sondern auch den Vorstand der Stiftung für Kunst und Kultur immer wieder motiviert, initiativ zu werden. Wir freuen uns über dieses außergewöhnliche Privatengagement und danken Jörg Blömer an dieser Stelle in besonderer Weise.

„Mean Average“ (2014)

Für Anthony Cragg „sind die Künstler in besonderer Weise verantwortlich für die Ästhetik der Umwelt“, und er erläutert: „Schauen Sie aus dem Fenster. Beinahe alles in unserer Umgebung ist in der formalen Erscheinung allenfalls mittelmäßig, dient ökonomischen Zwecken und ist überhaupt eine Konsequenz der Ökonomie. Die Bildhauerei kann hier eine besondere Rolle wahrnehmen. Sie kann neue, nie vorher gesehene Formen in die Welt bringen und damit auch neue Gedanken. Und so erfüllt sie auch eine politische Funktion.“

Craggs Skulpturen sind sinnliche, vielschichtige, je nach Blickwinkel immer neu entstehende „mentale Landschaften“, deren Ausgangspunkt stets die Emotion als Auslöser für Bewegung und Handeln ist. Dies gilt auch für die Arbeit „Mean Average“ als Beitrag zur Neugestaltung des Remigiusplatzes. Immer geht es dem Künstler darum, ein plastisches Volumen aus einer Mischung aus Fülle und Leere zustande zu bringen: „In jedem Fall möchte ich das Gefühl haben, mich durch mein Material gleichsam zu verlängern und zu vergrößern“, so der Künstler.

Anthony Cragg

Anthony Cragg wurde 1949 in Liverpool geboren und ging nach dem Kunststudium in England nach Deutschland. Seit den späten 70er Jahren lebt er in Wuppertal. Im September 2008 eröffnete er dort den Skulpturenpark Villa Waldfrieden, in dem Cragg nicht nur eigene Werke zeigt, sondern auch die Arbeiten renommierter Bildhauerkollegen. Der Künstler hat weltweit in zahlreichen bedeutenden Museen ausgestellt und u.a. an mehreren Ausgaben der documenta und der Biennale von Venedig teilgenommen. Cragg ist Mitglied der Londoner Royal Academy und lehrt seit 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf, deren Rektor er von 2009 bis 2013 war. Er ist Träger des renommierten Turner Prize sowie des Praemium Imperiale für Skulptur und wurde 2009 in die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste gewählt.




BUNDESKUNSTHALLE Bonn: Ausstellung „AFRIKANISCHE MEISTER“ (ab 28.06.)


Vorabankündigung

BUNDESKUNSTHALLE Bonn

AFRIKANISCHE MEISTER
Kunst der Elfenbeinküste

28. Juni – 5. Oktober 2014

200 Jahre westafrikanische Kunst und rund 200 Meisterwerke von etwa 40 Bildhauern – erstmals werden in einer Ausstellung individuelle afrikanische Künstlerpersönlichkeiten verschiedener Generationen aus sechs wichtigen Kunstregionen Westafrikas mit ihnen zugeschriebenen Werken vorgestellt. Die Ausstellung widerlegt die noch immer verbreitete Meinung, dass es in der afrikanischen Kunst kaum ästhetische Prinzipien und keine „wirklichen“ Künstler gegeben habe, sondern lediglich „Stammeswerkstätten“ mit anonymen Bildhauern. Zu entdecken sind in dieser Ausstellung die großen Meister der Guro, Baule, Dan, Senufo, Lobi sowie der Lagunenvölker und zu betrachten ihre Werke – Skulpturen und Masken von eindringlicher Kraft und Schönheit. Am Beispiel von drei zeitgenössischen ivorischen Künstlern werden zudem aktuelle westafrikanische Kunsttrends vorgestellt.

Eine Ausstellung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, in Kooperation mit dem Museum Rietberg Zürich.

bundeskunsthalle




August Macke Haus (Bonn) – Ausstellung „Hermann Hesse – Mit Feder und Farbe“

Hermann Hesse - Mit Feder und Farbe

Werke aus dem Nachlass Heiner Hesse

29. Mai – 14. September 2014



Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, den 28. Mai 2014, um 18.00 Uhr




Hermann Hesse (1877 - 1962) war zu Beginn seiner bildnerischen Tätigkeit 39 Jahre alt und bereits ein erfolgreicher Autor. 1946 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausge-zeichnet. In vielen seiner Schriften ist die Sehnsucht nach Einklang mit der Natur und nach Erfüllung durch Musik und Kunst zu erkennen. Auch aus seinen Zeichnungen und Aquarellen sprechen eine sensible Wahrnehmung der Natur und die sinnliche Freude am kreativen Schaffen; Hermann Hesses Bildwelt schlägt somit einen Bogen zu seinen Texten und vervollständigt sein Werk.

Verso Arasio, 1925 Grafit, Kreide und Aquarell 27 x 23,5 cm Fondazione Hermann Hesse Montagnola,  Depositum Privatsammlung

Verso Arasio, 1925
Grafit, Kreide und Aquarell
27 x 23,5 cm
Fondazione Hermann
Hesse Montagnola,
Depositum Privatsammlung

In den meist farbenfrohen Bildern gibt Hermann Hesse zunächst Eindrücke aus seinem Wohnort Bern wieder, aber auch Impressionen seiner Ferienziele finden sich. Ab 1919 ist es vor allem die Tessiner Landschaft, seine neue und letzte Heimat, die er abbildet. Doch sind es keine vermeintlich oberflächlichen Ansichten, die Hesse darstellt. Das Kunstschaffen ist von existenzieller Bedeutung für den Schriftsteller. Durch das Malen gelingt es ihm, Schreibkrisen und Selbstzweifel zu überwinden und Freude am Leben zu gewinnen. Aus vielen seiner Bilder spricht die Sehnsucht nach Harmonie und Glück. Aber auch Einsamkeit und Leid lassen sich an den Werken ablesen: Ein toter Baum, allein in der Landschaft stehend oder von Mauern umschlossen, abweisende Häuser ohne Fenster, Berggipfel in unerreichbarer Ferne. Selbst strahlende Landschaften spiegeln die Licht- und Schattenseiten des Lebens sowie die Vergänglichkeit des Irdischen wider.



Ohne Titel, 12. August 1923 Aquarell, 319 x 241 mm Privatbesitz

Ohne Titel, 12. August 1923
Aquarell, 319 x 241 mm
Privatbesitz

Hermann Hesse begeistert sich für das Zeichnen und Aquarellieren, erprobt unterschiedliche Stile: Darstellungen kindlich-naiv anmutender Landschaften in kräftigen Farben, Auflösung der Bildmotive in geometrische Formen, starke Konturierung der Bildelemente, detailreiche, kolorierte Federzeichnungen. Letztere entstehen in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren. Der ältere, ruhigere Hesse widmet sich mit Genuss einer Tätigkeit, die er von Anbeginn seines Malerdaseins ausübte: er illustriert Briefe und Gedichthandschriften.

Große Bewunderung hegt Hermann Hesse zeitlebens für August Macke (1887 - 1914), der für ihn «der Inbegriff der Aquarellmalerei» ist und «neben Moilliet der liebste Aquarellist».
Die Ausstellung zeigt Hermann Hesses künstlerisches Schaffen von den frühesten Arbeiten bis hin zu Bildern der letzten Lebensphase, die mit ausgewählten Zitaten aus seinen Schriften und Briefen zur Malerei ergänzt in den biografischen Zusammenhang gestellt werden. Sie umfasst 170 Aquarelle, Gouachen, Farbstift-, Bleistift- und Federzeichnungen, Ölgemälde, Skizzenbücher sowie illustrierte Bücher und Gedichte.



Magnolie, 2. Mai 1928 Grafit und Aquarell 270 x 235 mm Fondazione Hermann Hesse Montagnola, Depositum Privatsammlung

Magnolie, 2. Mai 1928
Grafit und Aquarell
270 x 235 mm
Fondazione Hermann
Hesse Montagnola,
Depositum Privatsammlung





Die zu großen Teilen erstmals öffentlich präsentierten Werke stammen überwiegend aus dem Nachlass von Heiner Hesse (1909 - 2003), dem mittleren der drei Hesse-Söhne, der eine intensive, aber auch konfliktreiche Beziehung zu seinem Vater hatte. Nach dem Tod Hermann Hesses widmete sich der Sohn mit Hingabe der Erschließung des Nachlasses wie der Publikation von Hermann Hesses Korrespondenz und setzte es sich zum Ziel, seinen Vater auch als Maler bekannt zu machen.

Eine Ausstellung des Kunsthauses Stade in Kooperation mit dem Museum Hermann Hesse Montagnola. Konzept: Regina Bucher und Ina Hildburg.

Zur Ausstellung ist ein umfassender und reich bebilderter Katalog mit Beiträgen von Regina Bucher, Silver Hesse, Ina Hildburg und Volker Michels zum Preis von 24,80 Euro bei Hatje Cantz erschienen.

Öffnungszeiten Di – Fr 14.30 – 18 Uhr
Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr

Öffentliche Führung jeden So 11.30 Uhr




August Macke Haus
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn

T +49 (0)228 655531
F +49 (0)228 691550
buero[at]august-macke-haus[dot]de
www.august-macke-haus.de



Enthüllung „Beethoven“ von Markus Lüpertz / So, 30.3.2014 / 11.30 Uhr / Stadtgarten, Bonn


Mehr Kunst für Bonn: Kunst im öffentlichen Raum als Impulsgeber

„Beethoven“-Skulptur von Markus Lüpertz als Hommage an den großen Sohn der Stadt




Mit der eigens für Bonn geschaffenen Bronzeskulptur von Markus Lüpertz startet die Stiftung für Kunst und Kultur ihre Initiative für Kunst im öffentlichen Raum. Der neue „Beethoven“ für Bonn wird in Anwesenheit des Künstlers am Sonntag, dem 30. März 2014 um 11.30 Uhr von Werner Müller, Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung und Vorstandsmitglied der Stiftung für Kunst und Kultur, Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und dem Intendanten der Deutschen Staatsoper Berlin, Jürgen Flimm, im Stadtgarten enthüllt und an die Öffentlichkeit übergeben.

„Beethovens dramatische Lebensumstände, sein Genie, seine Verletzlichkeit verlangen eine dramatische Interpretation dieses Giganten. Ich habe einen Versuch gestartet, Beethoven mit einem intensiven Kunstwerk gerecht zu werden“, so Markus Lüpertz zu seinem Werk und erläutert weiter: „Darüber hinaus ist es für einen Künstler eine wunderbare Aufgabe, den großen Sohn einer Stadt wie Bonn in seiner Kunst zu feiern. Beethoven ist Bonner und die Stadt hat immer lebhaftes und aktuelles Interesse an Beethoven und seinem Werk gezeigt. Sich da einzureihen und mitzuwirken, ist für mich eine große Ehre.“

Kunst im öffentlichen Raum als Impulsgeber

Als Kulturstadt und wichtige Rheinmetropole zeigt Bonn immer wieder aufs Neue, dass sie die Gegenwart im Einklang mit der Tradition definiert und sich als Forum für internationale Kunst- und Kulturprojekte bewährt hat. Die Umsetzung des Projektes »Kunst im öffentlichen Raum« der Stiftung für Kunst und Kultur ist auch ein besonderes Zeichen für Privatengagement und versteht sich als Beitrag zur kulturellen Vielfalt der Stadt mit der Absicht, der Auseinandersetzung um die Rolle Bonns als Kulturstadt innovative Impulse hinzufügen.

„»Kunst im öffentlichen Raum« bedeutet Auseinandersetzung und Diskussion und wir sind uns im Klaren darüber, dass die öffentliche Inszenierung von Kunst mit derart hochkarätigen Künstlern nicht ohne Reibungsverluste ablaufen kann. Gerade diese Art der Auseinandersetzung ist eine wünschenswerte Konsequenz, die das Projekt mit sich bringt. Denn Kunst verliert nie ihren Anspruch, aufregend zu sein“, fasst Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur, die Anstöße, die insbesondere von Kunstprojekten im öffentlichen Raum ausgehen, zusammen und erklärt: „Die Enthüllung des „Beethovens“ von Markus Lüpertz soll die Auseinandersetzung zwischen Kunst und Musik fördern und versteht sich als konstruktiven Beitrag, aktuellen kulturpolitischen Fragen nachzugehen. Wir erhoffen uns davon notwendige Denkanstöße, die die Stadt braucht, um in einem permanenten Prozess ihre gegenwärtige Position und ihre zukünftige Rolle neu zu bestimmen.“

Ähnlich wie beim Festspielhaus stärkt die Stiftung für Kunst und Kultur darüber hinaus mit diesem speziellen Projekt das bürgerschaftliche Engagement zur Pflege des Werkes und der Person Beethovens.

Der Künstler und sein Werk

Markus Lüpertz (*1941) – Maler, Bildhauer, Grafiker, Dichter – ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Künstler. Seine Skulpturen stellen keine Illustrationen dar, sondern sind vielmehr freie Interpretationen des jeweiligen Themas. So ist die eine Portraitbüste der zwei-köpfigen, 2,70 m-hohen und ca. 1.100 kg-schweren „Beethoven“-Skulptur der Persönlichkeit und dem Genie des berühmten Komponisten gewidmet, wohingegen die andere dessen Werk visualisiert. Damit erhält Bonn einen neuen „Beethoven“, der die Riege der vorhandenen Skulpturen und Büsten durch ein zeitgenössisches Werk abrundet und das Bild des Stadtgartens bereichern wird.

Fortsetzung im Mai mit Anthony Cragg

Die Stiftung für Kunst und Kultur, seit der Gründung 1986 in Bonn ansässig, beabsichtigt, ihre Initiative für die Kunst im öffentlichen Raum ihrer Heimatstadt fortzusetzen. Geplant ist, weitere Künstler nach Bonn einzuladen, die mit Arbeiten, die eigens für ausgewählte Plätze im Stadtraum entstehen, zeitgenössische Antworten der Kunst auf die Rheinmetropole formulieren. Als nächstes Projekt wird eine Skulptur des englischen Bildhauers Anthony Cragg mit dem Titel „Mean Average“ für den Remigiusplatz der Öffentlichkeit vorgestellt. Durch das Engagement der Mitglieder der Stiftung und die bereitwillige Unterstützung durch private Förderer konnten damit bereits zwei international renommierte Künstler für die Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Bonn gewonnen werden. Die Aufstellung von „Mean Average“ ist für Mai 2014 geplant.



Rezension: Bundeskunsthalle Bonn – Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde

Reihe: AUSSTELLUNGSREZENSIONEN AUF KUNSTDUESSELDORF.DE

Malewitsch in 13 Kapiteln

Bonn widmet Malewitsch und der russischen Avantgarde eine gigantische Ausstellung

von Marianne Hoffmann



“Jede Ausstellung, die von einem Museum in ein anderes wandert, wird immer zu einer neuen Ausstellung. Es gibt neue Schwerpunkte, neue Werke und neue Sinnzusammen-
hänge.” Mit diesen Worten begrüßte Rein Wolfs, der Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn, die anwesenden Medienvertreter zur Präsentation der in 13 Kapitel gegliederten Show des Erfinders des Suprematismus. Gerne wird Malewitsch auf das schwarze Quadrat reduziert. Man sucht dieses Werk in der Bonner Ausstellung vergeblich. Nur einige Skizzen weisen auf diese bedeutende Arbeit hin. Auch das "Weiße Quadrat auf weißem Grund" (1915), das nicht einmal mehr mit den Farbkontrasten zwischen Vorder- und Hintergrund spielt, sucht man vergeblich.

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Der Schwerpunkt dieser Ausstellung liegt auf der unglaublichen Vielfalt des umtriebigsten Künstlers, den Russland je hervorgebracht hat. In Bonn hat man nun die Möglichkeit, über 300 Gemälde, Grafiken, Architekturmodelle, Teller und Plakate aus allen Schaffensperioden zu sehen. Und das in 13 Kapiteln, die Moderne, den Impressionismus, Symbolismus, Fauvismus , Kubismus und Futurismus beleuchten, ohne didaktisch zu werden.Für diese Ausstellung stellten rund 25 internationale Museen und Privatsammlungen ihre Exponate zur Verfügung,damit man sich mit eigenen Augen von der ungeheuren Schaffenskraft Malewitschs überzeugen kann. Die Bundeskunsthalle kann unter anderem stolz darauf verweisen, dass sie bedeutende Werke aus der Tretjakow Galerie bekommen hat, die in Amsterdam nicht zu sehen waren.

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Begrüßt wird man in der Bonner Ausstellung von dem "Selbstporträt in zwei Dimensionen" (1915). In diesem Gemälde ist das "Schwarze Quadrat" als Bild im Bild bereits als Zitat vorhanden. Dieses Bild, das auch das Plakat der Ausstellung ziert, wurde in Amsterdam auf den Kopf gedreht abgebildet, auch Malewitsch hängte es in einer Ausstellung seiner Werke 1927 in Berlin ebenfalls so. Die Bonner einigten sich auf die andere Variante. Beide waren von Malewitsch schon damals autorisiert. Weiter geht es mit Werken, von denen man nicht glauben mag, dass sie dem Pinsel Malewitschs entsprungen sind. Cézanne wäre das erste, woran man denken mag. Gleichwohl war es die russische Auseinandersetzung mit allem, was aus Frankreich kam. Das Werk mit dem Titel „ Landschaft mit drei roten Häusern“ entstand 1911. Malewitsch war zu dieser Zeit Mitglied der Russischen Künstlergruppe Karo-Bube. Im Kubofuturismus beschäftigte man sich mit dem Kubismus in Frankreich und dem Futurismus in Italien. Heraus kamen Werke ,die die spätere Entwicklung Malewitschs erahnen liessen, was man beim Bild „Der Schnitter“ von 1912 unschwer erkennen kann. Spannend ist auch Malewitschs Spiel mit Farben. Sind manche Werke in satten Rottönen gestaltet, zeigen sich andere in allen Facetten der Unfarbe grau, wie im „Leben im Grand Hotel“ von 1913. Das Werk von Malewitsch zeichnet sich durch eine breite stilistische Heterogenität aus. Immer wieder steht der Kunsthistoriker vor der Herausforderung, künstlerische Phasen zeitlich festzulegen.

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Das Nebeneinander seiner Stile, seine Bauerndarstellungen zum Beispiel, sind nicht ohne die politischen Ereignisse in Russland und das Heranwachsen der Sowjetunion zu verstehen. Diese Sichtweise ist besonders von Bedeutung, wenn man auf sein Spätwerk blickt. Niemals kam es Malewitsch in den Sinn, seine gegenständliche Malerei in den Dienst des sozialistischen Realismus zu stellen. Vielmehr versuchte er weiterhin seine Formensprache mit figurativen Bildmotiven im Sinne des Suprematismus zu verbinden. Um seine Auseinandersetzung mit altrussischem Kulturgut zu zeigen, wurden in die Bonner Ausstellung drei bedeutende Ikonen aus dem 15. und 16. Jahrhundert integriert, die allesamt aus dem Staatlichen Russischen Museum in St. Petersburg geliehen wurden. Auch die Farbgebung der Ikonen lässt sich in vielen bedeutenden Werken Malewitschs wiederfinden. Ebenso greift er Bildmuster der religiösen Ikonen auf, wie etwa den Nimbus oder das Kreuz. Dies alles zeugt vom Werk eines künstlerischen Denkers. Sein weitreichender Einfluss, sowohl als Denker als auch als Künstler, wird durch die Konfrontation mit bedeutenden Zeitgenossen deutlich. Immer wieder mischen sich Werke von El Lissitzki, Michail Larionow, Wladimir Tatlin, Ilja Tschaschnk, Gustav Klucis, Olga Rosanowa und anderen zwischen die Arbeiten des Großmeisters.

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Im Frühjahr 1927 reiste Malewitsch nach Warschau und nach Berlin, wo er auf der Großen Kunstausstellung 70 seiner Werke zeigen konnte. Bei seiner Rückreise im Juni 1927 ließ er seine Bilder und Manuskripte in Berlin zurück. Zur gleichen Zeit wurde in der Sowjetunion unter Stalins Herrschaft der Ruf nach einer verständlichen, dem Volk zugewandten Kunst immer lauter. Seine Bilder wären in der Sowjetunion nicht mehr sicher gewesen. Sie wurden in Berlin von einem deutschen Architekten in Sicherheit gebracht. Nach seiner Rückkehr nach Moskau wandte sich der Theoretiker und Lehrer Malewitsch erneut der Malerei zu. Jetzt ist es wieder die Bauerndarstellung, die an sein Werk von 1910 anschließt. „Die wichtigste Bedeutung für unsere Zeit haben jetzt gegenstandslose Sachen oder Halbbilder, wie meine Bauern. Sie wirken am einschneidendsten.“

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Bauernbilder durchziehen Malewitschs gesamtes künstlerisches Schaffen. Seine zeitgleichen Portraits, auch sie sind in Bonn zu sehen, zeigen deutliche stilistische Anleihen an die Kunst der Renaissance. Eine Überraschung für den Besucher. Vor allem, wenn man bei näherer Betrachtung feststellt, dass die beherrschende Farbskala dieser Portraits die suprematistischen Farben Schwarz, Weiß, Rot und Gelb sind und das schwarze Quadrat als Signatur dient und damit „den Keim aller Möglichkeiten“ bezeichnet. Die Ausstellung in Bonn firmiert unter dem Titel: „Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde“ mit Werken aus den Sammlungen Chardschijew und Costakis. Beide Männer waren leidenschaftliche Sammler der Kunst der russischen Avantgarde. Nikolai Chardschijew ist es zu verdanken, dass außer bedeutenden Werken auch historische Dokumente, angefangen bei den frühesten Manifesten , Flugblätter, Fotos, Bücher, Kataloge gesammelt wurden. Ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen, die Geschichte der Avantgarde in Russland nachzuzeichnen. Costakis dagegen war Sammler aus Leidenschaft. Durch sein großbürgerliches Umfeld hatte er die Mittel dazu. Er nahm sich Chardschijew als Berater, nachdem er auf den Konstruktivismus aufmerksam geworden war. Er reiste durchs Land und tat Werke auf, die schon als verschollen galten. Er hatte eine Spürnase , die ihm eine beinahe enzyklopädische Sammlung bescherte. 1960 öffnete er eine Wohnung in Moskau und machte seine Sammlung zugänglich. Sie wurde zum Treffpunkt für Moskaus Intellektuelle.

links S.E. der russische Botschafter Grinin, Staatsministerin für Kultur und Medien prof. Monika Grütters, Rein Wolfs, Intendant Bundeskunsthalle

links S.E. der russische Botschafter Grinin, Staatsministerin für Kultur und Medien prof. Monika Grütters, Rein Wolfs, Intendant Bundeskunsthalle

1993 wollte Chardschijew mit seiner Frau nach Amsterdam auswandern. Doch er musste einen Teil der Sammlung n Moskau lassen. Heute wird die Sammlung gemeinsam mit dem Stedelijk Museum und dem Russischen Staatlichen Archiv verwaltet. Costakis plante 1977, nach Griechenland auszuwandern. Auch er musste einen Teil der Sammlung in Moskau lassen. Sie befindet sich in der staatlichen Tretjakow Galerie. Der zweite Teil der Sammlung wurde 1997 vom griechischen Staat erworbenn und befindet sich heute im Museum für zeitgenössische Kunst in Thessaloniki. Beiden großen Sammlern würde es gefallen, wenn sie nach Bonn reisen könnten, um zu sehen, dass große Teile ihrer Sammlung hier nun wiedervereint sind.

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Stedelijk-Museum in Amsterdam und der Tate Modern in London entstanden. In Amsterdam zog die Ausstellung gut 280 000 Besucher in ihren Bann. Bonn ist die zweite Station, ehe die Schau an die Themse zieht. Diese Ausstellung wird ein Publikumsmagnet. Es ist der in der Vergangenheit arg gebeutelten Bundeskunsthalle sehr zu gönnen.




Austellungsdauer 8. März – 22. Juni 2014

Katalog : 35 Euro

Eintritt: 10 Euro

Alle Informationen unter www.bundeskunsthalle.de



22.-24.11.: 23. Kunstmesse im Frauenmuseum Bonn

Frauenmuseum Bonn - Kunstmesse mit Preisverleihung

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100 Künstlerinnen stellen aus - Frauenmuseum wird zur Kunstmesse 23. Kunstmesse und Verleihung des Valentine Rothe Preises im Bonner Frauenmuseum

Das Bonner Frauenmuseum eröffnet die 23. Kunstmesse vom 22.-24. November 2013 mit neuen Positionen renommierter Künstlerinnen und junger Nachwuchstalente - darunter auch der diesjährigen Nominierten des Valentine Rothe Preises.

Insgesamt 100 Künstlerinnen präsentieren ihre Arbeiten: Bilder, Objekte und Konzepte der zeitgenössischen Kunst füllen an diesem Wochenende die Hallen des Frauenmuseums. Gezeigt wird ein Querschnitt innovativer Strömungen der weiblichen Kunstszene.

Die 23. KMFM bietet in diesem Jahr ein breites Spektrum: Fotografie, Fotorealismus, Realismus – das sind die Schlagworte auf der einen Seite. Daneben – ebenso umfangreich – abstrakte Werke, figurative Arbeiten.

Im Rahmen der Messe wird auch 2013 der Valentine Rothe Preis, der „Enkelinnen-Preis“ für junge Künstlerinnen, ausgelobt. Die Preisverleihung findet während der offiziellen abendlichen Eröffnung statt. Nominiert sind in diesem Jahr

Allard, Claire. Jey, Jenny. Lee, Ji Hyoun. Nesterova, Anastasiya. Neunast, Susanna. Sun, Injung. Wittorski, Elsa.

Ein zusätzliches Highlight wird am Samstag die Performance der Chilenin Janet Toro, die gegenwärtig in Köln arbeitet. Ihr künstlerisches Betätigungsfeld umfasst Performances, Installationen und Kunstobjekte.

Kinderatelier, Musik, Publikumspreis und ein vielseitiges Programm erwarten die Besucher an den drei Messetagen.

Die Kunstmesse im Frauenmuseum ist seit Jahren eine feste Größe in der Kunstszene. Die 23. KMFM ist Verkaufsmesse, Art-Event und Ausstellung. Alle Exponate sind käuflich und die Künstlerinnen und Galeristinnen sind für persönliche Gespräche vor Ort. Wie auch die Mode- und Designmesse im Frühjahr bietet sie Künstlerinnen eine Plattform Bewährtes und Neues zu zeigen. Zunehmend mehr junge Künstlerinnen nehmen das Angebot wahr, für einen verhältnismäßig günstigen Teilnahmepreis ihre Werke einem breiten Publikum zu präsentieren. Auch die Möglichkeit, den Valentine-Rothe-Preis zu erhalten, bietet einen zusätzlichen Anreiz. Und für die Museumsfrauen, die stets themengebundene Ausstellungen mit einer Vielzahl von Künstlerinnen organisieren, ist die Messe zugleich Sichtung vor Ort: Welche kommen für neue Projekte in Frage? Welche werden für kommende Ausstellungen eingeladen?

Um langfristig die hohe Qualität der Messe zu halten, gibt es zudem ein Juryverfahren, um aus der Vielzahl der Bewerberinnen die besten und innovativsten Künstlerinnen auszuwählen. Dies sind in 2013:

KÜNSTLERINNEN

Allard, Claire. Bayer, Birgit. Becker, Uta K. Bergmann, Astrid. Block, Thea. Brand, Brigitte. Brinkmann, Fancher. Bruinewoud, Cornelia. Carta, Sonja. Cremer-Robelski, Claudia. Czeran, Martina Rovena. Dornbusch, Karin. Dr. Jertz, Jette. Ezhkova, Ekaterina. Francke, Viola. Göbel-Groß, Uta. Graure-Manta, Elena. Günther, Maike. Gusinde, Gabriele. Hartung-Gräßer, Diana. H-Desrue, Marie-Helene. Hillen, Andrea. Honné, Birgit. Hovestadt, Hyacinta. Jakob, Beate. Kalb, Sonja. Kazda, Lucie. Kircher, Chris. Kirsch, Simone. Koll, Daphna. Krembel Eva. Krüger, Sabine. Kutz, Gabriele. Lee, Ji Hyoun. Lill, Ingrid. Nänzi. Neß, Hanne. Nesterova, Anastasiya. Neunast, Susanna. Paschold, Carola. Prill, Ingrid. Riedlberger, Martina. Robinski, Dobroslawa F. Roetzel, Marianne. Rohde, Cornelia. Ruß, Eveline. Sauvageot, Helga. Schwarz, Anna. Stengel-Klemmer, Sibylle. Siebigteroth, Annette. Stroganova, Tatiana. Sun, Injung. Urlichs, Nina. Von Frantzius, Edle. Von Klein, Kerstin. Von Rohr, Claudia. Von Sicherer, Hildegard. Waldmann, Karin. Weiss, Caroline. Wittorski, Elsa. Yuan, Lili.

Gruppe Komma
Büttner, Sabine. agii, gosse. Kilian, Adelheid. Marquard, Gaby.

Galerie Ansichtssache
Grosshaus, Gisela. Kurtz, Cornelia. Michalke, Berenike. Polnauer, Dorette. Trampert, Hanna. Weiss, Margot.

Atelier NY TN - Nuray Turan
Varon, Tina. Şahin, Belgin. Tüzüner, Pempe Hilal. Dilber, Sedef. Menekşe, Aylin. Efecan, Asuman. Muşkara, Aydın. Turan, Nuray. Kuşcu, Nazan.

Galerie au Salon
Dodge, Jessica. Mezquita, Susan. Niblack, Natalie. Teal, Monika. Jey, Jenny.

PROGRAMM
Freitag, 22.11.13 von 14:00 – 20:00 Uhr
Eröffnungsfeier: 19:00 Uhr
Renate Hendricks, MdL
Marianne Pitzen, Direktorin, frauenmuseum
Verleihung Valentine Rothe Preis: Dr. Valentine Rothe
Musik: Bianca Stücker

Samstag, 23.11.13 von 14:00 – 20:00 Uhr

Kunstaktion: 17.00 – 17.30 Uhr
Performance mit Janet Toro
Sonntag, 24.11.13 von 11:00 – 18:00 Uhr
Vergabe Publikumspreis 17:30

ÖFFNUNGSZEITEN:
Freitag, 22.11.2013, 14.00 – 20.00 Uhr (offizielle Eröffnungsfeier 19.00 Uhr)
Samstag, 23.11.2013, 14.00 – 20.00 Uhr
Sonntag, 24.11.2013, 11.00 – 18.00 Uhr

Kinderatelier: Sa + So 15.00 – 17.00 Uhr

Eintritt inkl. Katalog 6 €

Anreise:
Parkmöglichkeiten: Stadthausgarage – Oxfordstraße
Wegbeschreibung: www.frauenmuseum.de/messen

Frauenmuseum
Im Krausfeld 10
53111 Bonn
www.frauenmuseum.de

ab 10.10.: Macke-Ausstellung „Es ist fast zu schön hier“ (Bonn)

August Macke, Kolonnade mit Segelboot II, 1913/14, Ölfarbe auf Holz, 35 x 26 cm, Privatbesitz

August Macke, Kolonnade mit Segelboot II, 1913/14, Ölfarbe auf Holz, 35 x 26 cm, Privatbesitz

„Es ist fast zu schön hier“

August Macke und die Schweiz

August Macke Haus Bonn, 11. Oktober 2013 – 19. Januar 2014

Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag,
den 10. Oktober 2013, um 18.00 Uhr

August Macke war weltoffen und gebildet und unternahm viele Reisen. Einen ganz besonderen Stellenwert unter den Reisezielen hatte die Schweiz. Über den gesamten Zeitraum seiner künstlerischen Tätigkeit von 1902/03 bis 1914 – der Entstehung des ersten Skizzenbuches bis zu seinem frühen Tod zu Beginn des Ersten Weltkrieges – bildeten Mackes wiederholte Reisen in die Schweiz eine Konstante. Die Ausstellung im August Macke Haus Bonn veranschaulicht erstmals die enge Beziehung des Künstlers zur Schweiz – 100 Jahre nach seiner Übersiedlung an den Thunersee und 110 Jahre nach seinem ersten Aufenthalt in Basel.

Die frühen Besuche in Schweizer Museen beeinflussten Mackes künstlerische Entwicklung entscheidend und bedeuteten ihm Bestätigung, Anregung und Inspiration. Wurde er anfangs in seiner tiefgründigen »Gefühlsmalerei« vor allem durch die Gemälde von Arnold Böcklin bestärkt, so löste ein späterer Besuch im Kunstmuseum Basel den Beginn des Experimentierens mit modernen Gestaltungsmitteln aus.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der achtmonatige Aufenthalt des jungen deutschen Expressionisten im Haus Rosengarten in Oberhofen bei Thun von Anfang Oktober 1913 bis Ende Mai 1914. Die intensive Schaffensphase am Thunersee war ein künstlerischer Wendepunkt: Macke gelang es, Farbe, Form und Ausdruckswerte zu einer individuellen Synthese zu führen. Er verband nun lange zuvor gefundene Themen und Einzelformen zu neuen Kompositionen, zu gleichsam gemalten Collagen. Diese Werke sind aus dem Erlebten gestaltete Fiktionen, eigenständige Bildfindungen und -erfindungen und zugleich Mackes Antwort auf die Entfremdung seiner Zeit: ein »Gesang von der Schönheit der Dinge« (Macke 1913).

Eine ausgeprägt enge Beziehung zur Schweiz ergab sich zudem durch die langjährige Freundschaft mit dem Schweizer Maler Louis Moilliet. Am Thunersee fand ein enger Austausch zwischen den beiden Künstlern statt. Die weltberühmte Tunisreise wurde von den Freunden Paul Klee, Louis Moilliet und August Macke am Thunersee gemeinsam geplant und einige Monate später umgesetzt. Sie stellte eine kurze Unterbrechung von Mackes Oberhofener Aufenthalt dar und war für ihn eine Bestätigung der formalen Neufindungen, die er während der vorausgegangenen Monate am Thunersee entwickelt hatte.

Die Ausstellung, kuratiert von Dr. Ina Ewers-Schultz, beleuchtet erstmals August Mackes besonderes Verhältnis zur Schweiz. 60 Werke des Künstlers, Zitate aus seinen Briefen und aus den Erinnerungen von Elisabeth Macke sowie aus ihren teilweise unpublizierten Briefen veranschaulichen die Bedeutung der verschiedenen Stationen und Aufenthalte des deutschen Expressionisten in der Schweiz. Historische Fotografien nehmen den Betrachter mit auf eine Zeitreise.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Thun. Der umfassende und reich bebilderte Katalog dokumentiert die neuen Erkenntnisse, Verlag Hatje & Cantz, 192 Seiten, 213 Abbildungen, Preis der Museumsausgabe 30 €.

Öffnungszeiten Di – Fr 14.30 – 18 Uhr; Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr,
24. und 25.12.2013 sowie am 01.01.2014 geschlossen
30. und 31.12.2013, 14.30 -18.00 Uhr geöffnet

Öffentliche Führung jeden So 11.30 Uhr



August Macke Haus Bonn
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
T +49 (0)228 655531
F +49 (0)228 691550
Mail: buero[at]august-macke-haus[dot]de
www.august-macke-haus.de